„Die Rems ist uns wichtig!“

Ab an die Rems, hieß es am Mittwochabend: Cornelia Heilig und Timo Bader lasen in der Reihe wortReich aus ihren Büchern „Remskind“ und „Siebenmord“ auf der Remspark-Bühne, und die rund 100 Zuhörer waren begeistert.

Humorvoll, anschaulich und lebensklug begann der Abend mit Cornelia Heiligs Erinnerungen an eine Kindheit an der Rems; magisch, psychologisch und mit einer Prise Horror ging es mit Timo Baders Roadtrip durch das Remstal weiter. Zeitgeschichte der 60er-Jahre und Thriller – eine tolle Mischung, befand das Publikum.

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Gute Stimmung bei den wortReich-Lesungen von Cornelia Heilig und Timo Bader.

Signe Sellke führte in das Werk Heiligs ein. Sie erinnerte daran, dass es vor gut 50 Jahren in der Landwirtschaft noch sehr beschaulich zugegangen sei – trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs. In Erinnerungen schwelgen, das treffe auf Heiligs Beschreibungen zu, doch sie spare auch das Erlittene und Gefahrvolle nicht aus und sie komme ganz ohne Sentimentalitäten aus.

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Signe Sellke führt in “Remskind” von Cornelia Heilig ein.

Cornelia Heilig hatte einen alten Koffer dabei, den ihre Mutter immer für die Entbindungen ihrer neun Kinder im Margaritenheim gepackt hatte. Mit diesem nahm die Lehrerin an der Bettringer Uhlandschule das Publikum mit auf die Reise und erzählte auch einiges, was nicht im Buch steht. Etwa von dem Abriss des alten Bauernhauses 2003, in dem sie die ersten Lebensjahre verbrachte. „Ein Teil der Kindheit hing in jedem Raum.“ Doch vor allem ging es um die Rems, die immer wie ein Magnet angezogen habe. Bei Hochwasser war es das „bäase Wasser“, vor dem die Erwachsenen warnten. Im Winter lautete die erste Frage: „Hält das Eis schon?“ Im Sommer lockte das Freibad Schurr mit dem Remsgomba, in dem sie alle schwimmen lernten. Unter den Zuhörern war tatsächlich jemand, der den Tarzanschrei noch beherrschte – „Danke, Herr Lauer!“

„Wasser nimmt alles mit, Stress, Ärger und Sorgen“, erklärte Cornelia Heilig ihre tiefe Verbundenheit mit dem nassen Element. Sie dankte den Stadtplanern für den höher gelegten Josefsbach. Seit der Landesgartenschau ziehe es sie oft an diesen Bach. Mit einem letzten Dank an die rund 20 Sponsoren endete ihr Part. Bei ihrer „Betteltour“ durch Böbingen habe sie immer gehört: „Die Rems ist uns wichtig, sie gehört zu Böbingen.“

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Das “Remskind” Cornelia Heilig erzählt spannende, lustige und auch mal traurige Geschichten aus ihrer Kindheit.

„Nach mir kommen wie viele Leichen?“, hatte Cornelia Heilig ihr Mikro nach einer knappen dreiviertel Stunde an Timo Bader weitergegeben. Der schaffte es mit einem kabarettreifen Einstieg, die Zuhörer schnell auf seinen Remstal-Thriller einzustimmen. Gereizt habe ihn an dem Sujet zum einen das psychologische Moment: Wie wird jemand zu einem Mörder? Zum anderen wollte er in seinem neuen Buch, seinem 14., gerne Anekdoten aus der Schule einarbeiten – Timo Bader ist Deutsch- und Englisch-Lehrer an einem Schorndorfer Gymnasium. Dass er bei Tobias Milner richtig aus dem Vollen schöpfen konnte, bewies gleich das erste Kapitel, aus dem er las und in dem er den ganz normalen „täglichen Wahnsinn“ beschreibt, ständig von den Schülern unterbrochen zu werden.

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Timo Bader hat mit “Siebenmord” bereits sein 14. Buch geschrieben.

Auch das Thema dieser Unterrichtsstunde, Märchen, ist nicht zufällig gewählt: Timo Bader nimmt in „Siebenmord“ das Motto der Remstal-Gartenschau auf: „Reisen Sie in die unendlichen Gärten“. In den Gärten entlang der Rems stieß er auf viele magische Orte wie etwa die Remsquelle oder die Y-Burg. Spannend sei es gewesen, bei seinen Recherchen all diese Orte zu besuchen. Warum Einhörner eine Rolle spielen und was eine Trepanation ist, deutete er ebenfalls an, ohne allerdings zu viel zu verraten: „Wenn Sie mehr erfahren wollen, lesen Sie den Roman.“

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Jörg Schumacher, Geschäftsführer des einhorn-Verlags, und Timo Bader, Autor von “Siebenmord”.

Wie viel Arbeit hinter einem solchen Buch steckt, erklärte Geschäftsführer Jörg Schumacher nach den Lesungen: Am Anfang stehe die schwierige Frage: Wird das Buch verlegt? Für den Verlag ein Risiko, wenn es sich nicht gut verkaufe. Viel Arbeit stecke sodann im Titel und Titelbild, denn beides entscheide darüber, ob ein Buch gekauft wird oder nicht. Glücklich zeigte er sich über Autoren wie Timo Bader und Cornelia Heilig, die mit ihren Büchern den Nerv der Zeit treffen und nachgefragt werden. Ein richtig schönes Ende der Veranstaltung bescherte noch ein Wiegenfest: Als Jörg Schumacher am Ende verriet, dass Timo Bader just am Mittwochabend Geburtstag hatte, stimmten alle beherzt „Zum Geburtstag viel Glück“ an.