Traudl Hirschauer liest aus „Menschenskinder!“

Verse für die Jackentasche

„Ich bin fasziniert, wie hier Geschichten in Gedichten verfasst werden“, sagte Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse zu Autorin Traudl Hirschauer bei der Vorstellung ihres neuesten Bandes: Menschenskinder! Der Untertitel „Geschichte(n) in Gedichten – heiter – herzlich – heimatlich“ umschreibt, was man in Versform in 21 Einblicken erfahren kann.

GISE KAYSER-GANTNER

Schwäbisch Gmünd. Für Traudl Hirschauer war die Zusage, in der Salvatorklause ihr Buch vorzustellen, die Erfüllung eines Herzenswunsches. Sie hat ihre Wurzeln im christlichen Glauben. Und in der Heimat: „Das sind Wurzeln, die tragen!“ Dem 400-jährigen Jubiläum des Salvator im nächsten Jahr hat sie schon heute ein Sprachdenkmal gesetzt mit „Ehrenamt trifft Denkmal“.
Sie hat sich der Sprache verschrieben mit Haut und Haar. Anglizismen finden sich nicht, dafür ringt Traudel Hirschauer um den richtigen Reim. „Manches Gedicht dauert zwischen 16 bis 20 Stunden“, gesteht sie. Dafür legt sie eine Nachdenkpause ein am Bügelbrett oder greift nachts zum Stift auf dem Nachttisch. Oder es küsst sie die Muse im Wohnzimmer. Immer wieder muss ihr Mann sie liebevoll erinnern: „Das Mittagessen, Traudl“, wenn ein Gedicht sie gepackt hat.

Traudl Hirschauer (3. von links) las in der Salvatorklause aus ihrem Buch „Menschenskinder!“ und begeisterte das Publikum. (Foto: hie)

Traudl Hirschauer (3. von links) las in der Salvatorklause aus ihrem Buch „Menschenskinder!“ und begeisterte das Publikum. (Foto: hie)

Ihr Buch „Gmünder Grüße“ zur Landesgartenschau hat inzwischen eine kleine Weltreise angetreten. „Kapstadt ist noch ein weißer Fleck“, feuerte Johannes Paus die Zuhörer an, auch die Neuerscheinung wieder in die Region und den Rest der Welt zu schicken.
Der Lindacher Ortsvorsteher Klaus-Peter Funk freut sich über seine prominente Bürgerin. Bürgermeister Bläse schlägt vor, dass der Einhorn-Verlag darüber nachdenken solle, sich in Bären-Verlag umzutaufen, weil bereits mehrere Lindacher Autoren dort vertreten sind.
Traudl Hirschauer versteht es ausgezeichnet, die „Bären, Grabben und andere Neckereien“ liebevoll zu porträtieren. Sie hat einen scharfen Blick fürs Schwäbisch-Menschliche. Treffsicher, aber nie verletzend, legt sie den Finger auf die Eigenheiten. Der Leser erfährt, warum die Heubacher Mondstupfler sind und der Igginger ein Pfauenrad schlägt. Lauter amüsante Erläuterungen der vielen Gemeinde-Spitznamen, die man dann nicht mehr vergisst.
Passend zu den Geschichten das Violinspiel von Marie-Luise Wanner. Beethovens Menuett, Haydns Serenade und Boccherinis Menuett flogen in den blauen Himmel über Schwäbisch Gmünd. „Es ist gut, dass durch die Lesung andere Gedanken aufkommen“, sagte Werner Mayer, Vorsitzender des Salvator-Freundeskreis, denn die Auswirkungen des Unwetters sind noch präsent.

© Gmünder Tagespost 07.06.2016

 

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