Eine Hommage an den Wald

Autor: EK, 29.10.2014

Sylvia Bäßler präsentierte ihren neuen Roman im Schatten der Eichen

Kirchenkirnberg: Große Leselust weckte die Autorin Sylvia Bäßler bei der großen Zuhörerschar im Gasthaus “Kastanie”, als sie einige besonders spannende Szenen aus ihrem neuen Roman “Im Schatten der Eichen” vorlas.

Foto: ek Sylvia Bäßler greift in ihrem neuen Werk lokale Akzente auf und entführt ihre Leserinnen und Leser in die Urzeit des Schwäbischen Waldes.

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Sylvia Bäßler greift in ihrem neuen Werk lokale Akzente auf und entführt ihre Leserinnen und Leser in die Urzeit des Schwäbischen Waldes.

 

Der Umgang mit der Natur und die Toleranz gegenüber Andersdenkenden sind zentrale Themen des Buches, das Sylvias Mann Dietmar Bäßler mit reizvollen Zeichnungen illustrierte. Mit ihrer grenzenlosen Fantasie und Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, wolle sie alle Altersgruppen dazu animieren, die Nase statt ins Smartphone lieber erst in ihr Buch zu stecken und dann in die frische Luft des Schwäbischen Waldes. “Ich möchte die Leser auf unterhaltsame und spannende Weise für ihre Umwelt sensibilisieren, damit sie einen persönlichen Beitrag dazu leisten, die Welt lebenswert zu gestalten”, formulierte die Autorin das Ziel ihres Romans.

Darin erzählt Bäßler von den “Erdluitle”, kleinen sympathischen Wesen, die in vielen alten Sagen vorkommen, sie verzauberten und die sie “Selvas” (Urwaldbewohner) nennt. Sie wollte wissen, wo kommen sie her, wie sehen sie aus und wo wohnen sie, und beantwortet diese Fragen in ihrem Roman. Dessen Handlung wurde auch inspiriert von der Sagensammlung “Von Erdluitle und dem wilden Heer”, das Fundament bilden verschiedene historische Bücher.

In einer Szene beschreibt Bäßler eine direkte Begegnung zwischen dem Selva-Jungen Strix aluco (Waldkauz) und dem Mädchen Liesel aus der neuen Siedlung Kirchenkirnberg. Später gerät Strix in Lebensgefahr, wird aber gerettet, erfährt von seiner Berufung und begibt sich auf eine gefährliche Reise in eine andere Welt, da er einen Auftrag zu erfüllen hat. Mit lautmalerisch variierender Stimme verkörperte die Autorin während der Lesung treffend die verschiedenen Selva-Charaktere und Waldtiere. Sie brachte die Atmosphäre der ausgewählten Szenen stimmig zum Ausdruck und fesselte damit die Zuhörer.

Die Geschwister Strix und Loxia als Hauptpersonen werden auf ihrem schwierigen Weg vom Kind zum Erwachsenen begleitet von ihrem weisen alten Onkel Galium Odoratum (Waldmeister), der lange verschollen war und unerwartet wieder auftaucht.

Diese Figur sei eine Hommage an Hans Quayzin, der im September 2012 im Alter von 87 Jahren verstarb, erklärte Bäßler. Viele Kirchenkirnberger und Murrhardter kannten und schätzten den Menschenfreund und Förderer von Kindern und Jugendlichen mit seiner bescheidenen, kreativen, witzigen und tiefsinnigen Art.

Als “Hommage an die Schönheit des Schwäbischen Waldes” bezeichnete Landrat Johannes Fuchs den Roman, der diese Landschaft noch faszinierender mache, in seiner Laudatio. Sylvia (“Herrin des Waldes”) Bäßler sei mit ihrem genau rechtzeitig erschienenen “zauberhaften neuen Buch” Botschafterin des Schwäbischen Waldes, der 2015/2016 Kulturlandschaft des Jahres werde, freute sich Fuchs als Vorsitzender der Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald und stellvertretender Vorsitzender des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Seit Urzeiten übe der Wald eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Das Buch spiele vor rund 1000 Jahren, als der Schwäbische Wald noch Urwald war, und beschreibe anschaulich, wie die Besiedlung im Frühmittelalter begann. “Sie schaffen es, historische, kulturelle, märchenhafte und mythische Elemente auf faszinierende Weise zu einer facettenreichen Geschichte zu verknüpfen”, sagte der Landrat anerkennend. Die Selvas seien gleichsam die Seele des Waldes, was die tiefe Zuneigung der Autorin zu diesem verdeutliche. Die Namen der Personen und Gruppen habe sie gezielt ausgewählt, denn sie tragen lateinische Pflanzen- und Tierbezeichnungen.

Es sei ein Glücksfall für den Schwäbisch Gmünder Einhorn-Verlag gewesen, dass Lektorin Birgit Markert in Sylvia Bäßler eine sehr gute Autorin gefunden habe, betonte Projektleiter Johannes Paus. Man fühle sich als Heimatverlag verantwortlich, solche Themen herauszubringen, und “Im Schatten der Eichen” sei “ein Buch, das in unsere Zeit passt”. Im Mittelpunkt der schönen Geschichte stünde das Volk der Erdluitle, das uns Menschen als Vorbild dienen könnte für den Umgang mit der Natur, den Tieren und untereinander, hob Paus hervor.

Die Buchpräsentation von Sylvia Bäßler war zugleich Auftakt einer heimatgeschichtlich-kulturellen Veranstaltungsreihe des Vereins Bürgerschaft Kirchenkirnberg. Mit stimmungsvollen Cover-Versionen von bekannten, zum Thema passenden Popsongs umrahmte der singende und Gitarre spielende Musiker Ralf Hager aus Alfdorf die Präsentation. Nach der Lesung fand der Roman reißenden Absatz, und die Autorin signierte fleißig.

Info Weitere Infos zu Buch und Verlag gibt es online unter www.einhornverlag.de.

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