Kirchenkirnberger Autorin Sylvia Bäßler liest in Oberrot aus ihrem neuen Roman

Autor: SWP, 03.03.2015

Oberrot: Sylvia Bäßler, Autorin aus Kirchenkirnberg, hat einen neuen Roman veröffentlicht. In Oberrot las sie aus “Im Schatten der Eichen” vor, einem Buch, das sich schwer in ein Genre einordnen lässt.

Foto: ek Autorin Sylvia Bäßler nach der Lesung im Rathaus in Oberrot. Sie hatte aus ihrem neuen Roman "Im Schatten der Eichen" vorgelesen.

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Autorin Sylvia Bäßler nach der Lesung im Rathaus in Oberrot. Sie hatte aus ihrem neuen Roman “Im Schatten der Eichen” vorgelesen.

 

In eine längst vergangene Welt geheimnisvoller Mythen und uralter Sagen entführte die Kirchenkirnberger Autorin Sylvia Bäßler die zahlreichen Zuhörer bei der spannenden Lesung aus ihrem neuen Roman “Im Schatten der Eichen” im Oberroter Rathaus.

Dabei las sie verschiedene Passagen aus dem Buch vor und weckte so große Neugier auf ihre Geschichte. Sie spiele zu der Zeit, als die Höhen des Schwäbischen Waldes gerodet und besiedelt wurden, erklärte Bäßler bei der Veranstaltung der Oberroter Außenstelle der Volkshochschule Schwäbisch Hall. Der vorwitzige Strix, ein junger Selva, wie Bäßler die aus alten Sagen bekannten “Erdluitle” nennt, wagt sich trotz Verbots in die Nähe eines Dorfs. Strix erschrickt, als er merkt, dass die Menschen von den kleinen Naturwesen wissen, die den Wald bewohnen. Seine Schwester Loxia hat eine absolute Phobie gegen die Menschen, weil diese keinen Respekt vor dem Leben haben und Bäume und Tiere töten.

Doch vor langer Zeit lebten Selvas und Menschen zusammen: Die Selvas halfen den Menschen bei der Arbeit und im Gegenzug versorgten diese die Naturwesen mit Nahrung, erzählt die weise Großmutter Oxalis. Doch da die Menschen die weiblichen Selvas verfolgten, zogen sich die Naturwesen in die Wälder zurück. Unsere Vorfahren glaubten noch an die reale Existenz von Naturwesen und Geistern, weil sie laut Bäßler ein Urwissen und einen Sinn für das Übernatürliche besaßen, der uns heute fehlt. Einige der alten Mythen flossen in Sagen und Märchen ein, wurden so in die Neuzeit hinüber gerettet und faszinieren viele Menschen bis heute.

Etliche Sagen aus unserer Region inspirierten die Autorin zu ihrem Roman. Er führt an viele idyllische, geheimnisvolle Plätze im Schwäbischen Wald. Etwa zum verträumten, tief im Wald liegenden Herrensee bei Eichenkirnberg, letzter erhaltener Weiher der Kirchenkirnberger Mühle, wo Strix heimlich das Menschenmädchen Liesel trifft. Ebenso in einen längst verschwundenen Eichenhain, von dem der Buchtitel abgeleitet ist, und zur “Götzeneiche”, wo der Selva-Clan, der im Zentrum des Romans steht, wohnt. Dieser mächtige Baum hatte einen Umfang von über sieben Metern, auch fand man dort das Bronzebildnis einer germanischen Göttin, hat Bäßler recherchiert.

Noch vor etwa 1000 Jahren kannten die hiesigen Menschen auch die germanische Götterwelt, wie eine Szene zeigt, in der ein Bauer eine kräuterkundige Frau als Hexe beschimpft und sie fortjagt. Daraufhin droht diese ihm, dass er sich vor dem Wilden Heer vorsehen solle und Frau Perchta – uns heute bekannt als Frau Holle – ihn bestrafen werde. Überraschend verläuft eine Begegnung von Strix und seinem weisen, erfahrenen Onkel Galium mit einem hungrigen Wolfsrudel. Darin wirkt der Wolf gar nicht so böse wie in vielen Märchen. So können die beiden Selvas einen Menschen vor den Wölfen retten, der nach Hausschweinen sucht, die sich bei der Eichelmast im Wald verirrt hatten. Strix und Galium überzeugen den klugen Leitwolf Lupus, dass die Schweine eine viel fettere Beute sind als dieser “Hänfling”. Am dramatischen Schluss überlebt Strix einen Blitzschlag, da er ein Berufener ist und einen wichtigen Auftrag zu erfüllen hat.

Den Roman einem Genre zuzuordnen sei äußerst schwierig, da er so viele Facetten habe, wie Geschichte und Natur, Märchen und Mythen. Auch habe er keine bestimmte Alters- oder Zielgruppe, sondern sei ein Familienbuch, so Sylvia Bäßler. Die Heimatgeschichte und Traditionen des Schwäbischen Waldes liegen ihr ebenso sehr am Herzen wie die Natur. Darum enthält der Roman auch aktuelle, das Weltgeschehen betreffende Botschaften: Sie wolle ihre Leser für die Umwelt und unsere Mitgeschöpfe sensibilisieren. Ebenso wichtige Anliegen sind ihr Toleranz und ein friedliches Miteinander: “Unsere Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt und vielfältig”, verdeutlichte die Autorin am Ende ihrer Lesung.

Info Sylvia Bäßler: Im Schatten der Eichen. Roman, Broschur, 320 Seiten, Einhorn-Verlag Schwäbisch Gmünd, ISBN 978-3-95747-004-1, 14,80 Euro.

Neues Projekt in Arbeit

Geschichten, die das Leben schrieb, verarbeitet die Kirchenkirnberger Autorin Sylvia Bäßler zu Romanen, weil man daraus viel für die Zukunft lernen könne, erklärt sie. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Roman, in dem sie erzählt, wie 1912 die Straße von Murrhardt nach Grab gebaut wurde. Darin beschreibt sie das harte Leben der “welschen” italienischen armen Arbeiter und das tragische Schicksal eines kleinen Mädchens, aber auch die Villa Franck.

EK

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