So war der Weltkrieg in Gmünd

Arbeit von Studenten der Pädagogischen Hochschule als Buch vorgestellt

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Französische Kriegsgefangene vor dem früheren Gmünder Stadtbad, eskortiert von Landsturmsoldaten. (Foto: StAG, Postkarten „Militär“, Fotograf unbekannt)

 
Wie erlebten Gmünder Soldaten den Ersten Weltkrieg? Und was geschah während des Kriegs in der Stadt? Mit diesen zentralen Fragen befassten sich Junior- und Senior-Studenten der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Ihre Ergebnisse liegen nun als Buch vor.
Schwäbisch Gmünd. Eigentlich wollte PH-Professor Dr. Gerhard Fritz seinen Junior- und Senior-Studenten „nur“ zeigen, wie man im Gmünder Stadtarchiv recherchiert. Doch bei dieser Übung schufen die Studenten eine breitgefächerte Darstellung Gmünds und der Gmünder im Ersten Weltkrieg. Die wurde zu einem Buch zusammengefasst, das am Mittwoch vorgestellt wurde: „Schwäbisch Gmünd und der Erste Weltkrieg“.
„Ganz Gmünd war eine Kaserne“, so schilderte Gerhard Fritz die Zustände in der Stadt während des Krieges, der vor 100 Jahren begonnen hatte. In jedem öffentlichen Gebäude seien Menschen einquartiert gewesen; auf dem Schießtalplatz wurden Kriegsgefangene untergebracht; das Spital wurde zum Lazarett. Die Autoren schildern aber auch die Kämpfe Gmünder Soldaten auf den Schlachtfeldern.

Eine Erinnerung an Werner Debler
Gerhard Fritz begrüßte es, dass die Studenten durch Experten der Gmünder Geschichtsforschung unterstützt wurden: Der frühere Chefarzt Dr. Heinz-Dieter Heiss wertete die medizinischen Quellen aus, zum Beispiel ein Buch der Gmünder Mediziner Dr. Mahler und Dr. Eberhard über die Behandlung von Schussverletzungen im Mundbereich. Ulrich Müller widmete sich der Erinnerung an den verlorenen Krieg und schilderte besonders die bis heute andauernden Diskussionen um das Kriegerdenkmal auf dem Schwäbisch Gmünder Marktplatz.

Sponsoren und Autoren bei der Vorstellung des Buchs. Vorne Gerhard Fritz und Rektorin Astrid Beckmann.  (Foto: wof)

Sponsoren und Autoren bei der Vorstellung des Buchs. Vorne Gerhard Fritz und Rektorin Astrid Beckmann. (Foto: wof)

Als „eine treibende Kraft“ für das Buch beschrieb Fritz den vor wenigen Tagen verstorbenen Werner Debler. Insofern sei das Buch auch eine Art „Abschiedsgruß“ an den bekannten Autor und Heimatforscher, denn er hat für die Veröffentlichung Tagebücher seines Großvaters ausgewertet und so eine Quelle mit größter Authentizität eingebracht. Auch Johannes Schüle war an der Auswertung dieser Tagebücher beteiligt.
Rektorin Prof. Dr. Astrid Beckmann sah das Buch als „erneutes Beispiel für das Engagement der PH Schwäbisch Gmünd für die Region“. Die Gmünder Geschichte zwischen 1914 und 1918 spiegle die gesamte Geschichte des Ersten Weltkriegs mit seinen unzähligen Opfern und unsäglichen Leiden wider. Bemerkenswert sei, dass verschiedene Generationen für diese Veröffentlichung zusammengearbeitet haben.
Klaus Arnholdt unterstrich als Vertreter der Gmünder Stadtverwaltung die Bedeutung des Buchs, da kaum noch Zeitzeugen des Ersten Weltkriegs lebten. Die Stadt sei sehr offen bei der Aufarbeitung der Geschichte, das habe sich auch bei der Diskussion über das Kriegerdenkmal gezeigt.
Im Namen der Sponsoren lobte Direktor Rolf Siedler von der Kreisparkasse Ostalb das Buch, das gerade in einer Zeit weltweiter Spannungen und kriegerischer Auseinandersetzungen auch aktuelle Bedeutung habe. Prof. Dr. Herbert Mödl vom Gmünder Geschichtsverein konnte berichten, dass der Verein das Buch als Jahresgabe an seine Mitglieder verteilen werde. 800 Exemplare wurden gedruckt, wie Johannes Paus vom Einhorn-Verlag sagte.
Das Buch
„Schwäbisch Gmünd und der Erste Weltkrieg“, herausgegeben von Gerhard Fritz. Erschienen im Einhorn-Verlag. ISBN 978-3-95747-012-6. Preis 16,80 Euro.
© Gmünder Tagespost 08.10.2014 19:59:40