Ostalb-Krimi und Mordsmusik

„Wir könnten heut’ hier auch eine Bürgermeisterdienstbesprechung machen“, stellt Landrat Klaus Pavel fest und blickt vom Rednerpult aus schmunzelnd in den Saal. Gerade hat er aus Anja Jantschiks neuem Ostalb-Krimi „Blutgarn“ vorgelesen, in dem nicht nur eine solches Schultes-Treffen Thema ist, sondern auch die Staufersaga, die Gewandmeisterei und die eine oder andere Leiche.

Mutlangen. Sie wohnt in Göggingen – „wo es sich sehr schön wohnen lässt“ – und ist im Herzen ihrem Geburtsort treu geblieben. Anja Jantschik präsentiert deshalb auch ihren fünften Ostalb-Krimi im Mutlanger Rathaus, wo Bürgermeister Peter Seyfried als Gastgeber viele Politiker und Kollegen willkommen heißt. „Ich weiß natürlich, warum sie kommen“, trumpft er feixend auf: Ein Highlight der Krimis voller Lokalkolorit, wie sie die Journalistin der Gmünder Tagespost seit 2006 im (fast) jährlichen Rhythmus verfasst, ist die große Nähe zu realen Orten und Personen. Nur die Namen sind leicht verfremdet. „Sie wollen alle wissen, ob und wie sie diesmal im Buch auftauchen“, spöttelt Seyfried.

Landrat Klaus Pavel nimmt als Laudator diesen Ball auf: „Ich kenne sie alle“, stellt er vieldeutig fest und blickt demonstrativ zwischen die Buchdeckel. Natürlich liest er einige der handelnden Personen daraus vor – sozusagen als Ratevergnügen fürs vielköpfige Publikum. „Was da drin steht, ist nichts für schwache Nerven“, spannt er die Zuhörer dann auf die Folter und legt so einige Fährten für die Mördersuche: War der Mörder ein Bürgermeister, dem die Gmünder Staufereuphorie zu viel wurde? Oder ein Mögglinger aus Verzweiflung darüber, dass es mit der B 29 nicht voran geht? Oder der Kobold mit der Maske? Oder? Oder? Oder?

Anja-Jantschik-Fans – und damit auch alle Gäste im Saal – kennen inzwischen die im Krimi handelnden Personen: Journalistin Ira, Lebensgefährtin des Kommissars Peter Brand. Beide leben in Hausgemeinschaft mit dem Automechaniker Jim und ermitteln diesmal „in der verruchten Gmünder Szene“, schließt der Landrat und versichert: „Natürlich werden die Morde aufgeklärt.“

Ganz so, wie es die große Lesergemeinde der Ostalb-Krimiautorin gewohnt ist. Jörg Schumacher, der Geschäftsführer des Einhornverlags, ist als Herausgeber stolz darauf, dass Jantschik-Krimis mittlerweile eine Auflage von 10 000 Exemplaren erreichen. Und er findet es gut, dass mit dem Neuen das Stauferjahr perfekt abgerundet werden kann.
„Es war mal wieder wunderbar“, bedankt sich Anja Jantschik – „ausnahmsweise im Kleid und mit hohen Schuhen“ – zum Schluss nicht nur bei den Rednern an diesem Abend, sondern auch bei allen Unterstützern, Wegbegleitern und Gästen. Und auch bei Swabian Brass, den „Mordsmusikern, die eine Mordsmusik gemacht haben“(Pavel).

Foto: Autorin Anja Jantschik (Mitte) mit Gästen (v.l.) Dr. Stefan Scheffold, Jürgen Stempfle, Michael Rembold, Landrat Klaus Pavel, Dr. Joachim Bläse und Norbert Barthle.  (Foto: UR)