Vom Kunst-Comic und der Rache der Stauferin

Das einhorn-Jahrbuch 2011 Schwäbisch Gmünd ist erschienen

„Ein kleiner Schatz“, so lobte Oberbürgermeister Richard Arnold das einhorn-Jahrbuch 2011, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Mit seinen aufwändig recherchierten Aufsätzen geht das Buch weit über eine Chronik hinaus. 

Schwäbisch Gmünd. Seit 1974 gibt der Einhorn-Verlag das Gmünder Jahrbuch heraus. Manche Jahrgänge seien inzwischen schon vergriffen, sagte Verlags-Geschäftsführer Jörg Schumacher und freute sich besonders über die Nachfrage der jüngeren Generation. Bei der neuen Ausgabe wurde die seit vielen Jahren gewohnte blaue Umschlagfarbe zu Gunsten eines dunklen Grau aufgegeben. Das Buch spiegle die Vielfalt der Stadt wider, sagte Rathaussprecher Markus Herrmann. Und die Aufsätze darin böten auch für Gmünder Neuigkeiten, lobte OB Richard Arnold.
Zum Beispiel der Aufsatz über das letzte im Johannisturm geborene Kind, Elisabeth Fütterling, den Werner Debler und Günter Haußmann geschrieben haben. Sie schildern die Tradition der Türmer im Johannisturm, die Lebensumstände in der elf Quadratmeter großen Wohnung, und haben mit dem 99-jährigen Otto Fütterling, dem Witwer Elisabeth Fütterlings, wenige Monate vor dessen Tod gesprochen.

Von Prof. Dr. Hubert Herkommer ist die Rede abgedruckt, mit der er Werner Deblers Buch „Geschenkte Heimat“ über das Landeswaisenhaus in Gmünd vorstellte. Er lobt die Zeitzeugenberichte, die Debler gesammelt hat, als Instrument der Geschichtsschreibung.

Der frühere Rathaussprecher Klaus Eilhoff hat über Hans Baldung Griens Werk „Die Erschaffung der Menschen und der Tiere“ geschrieben und dabei auch bislang nicht aufgeklärte Hinweise, die der Gmünder Künstler eingebracht hat, aufgelöst. Prof. Dr. Ulrich Müller steuerte einen Beitrag über die US-Bunker im Waldstetter Staatswald bei. Außerdem hat er eine neue Quelle entdeckt über das Schicksal der Gmünder Juden im Dritten Reich – ein „Dokument der Schande“, wie er sagte. OB Richard Arnold ergänzte, dass beim Stadtjubiläum 2012 auch die jüngere Geschichte Gmünds aufgearbeitet werde.

Andreas Udo Fitzel hat Konstanze von Aragon und Sizilien porträtiert, die letzte Stauferin, die ihre Familie gerächt, ihre Schwestern aus Gefangenschaft befreit und Sizilien zurückerobert hat. Heidrun Irre ist mit zwei Geschichten im Jahrbuch vertreten: mit einem Aufsatz über Emanuel Leutzes Historiengemälde, in denen sich die englische Geschichte wie in einem Comic verfolgen lässt, und über den Künstler Ludwig Knaus, einen Freund Leutzes mit starken Bezügen zu Gmünd. Zwei Aufsätze in dem Buch stammen von Hans-Wolfgang Bächle, der im August verstorben ist: „Die Woellwarth’sche Grablege im Kloster Lorch und die Entwicklung der Grabmalkunst im Raum Schwäbisch Gmünd und Aalen“ sowie „Das Ende des Herzogtums Schwaben“.

Im Jahresbericht des Stadtarchivs geht dessen Leiter Dr. Klaus Jürgen Herrmann besonders auf die Jubiläen der Remsbahn und des Klepperle ein. Außerdem beschreibt er den Fall der letzten in Gmünd als Hexe verbrannten Frau, Katharina Häberlein. Joachim Haller blickt zurück auf die Ausstellungen des Museums 2011.